Abschlussarbeit

Analyse des Siedlungswachstums im Schengenraum (1985–2015) anhand aus WSF Evolution abgeleiteter Stadtellipsen

Thematische Karte
Schengenraumweite Verteilung der im Datensatz abgeleiteten Siedlungsellipsen (1985–2015) im Projektionssystem ETRS89 / LAEA Europe (EPSG:3035). (Abbildung: Maximilian Schiedermeier; Basiskarte: © OpenStreetMap-Mitwirkende (ODbL).)

Details

Extern/e Autor:in
Maximilian Schiedermeier
Intern/e Betreuer:in
Prof. Dr.-Ing. Andreas Schmitt
Abschluss
Bachelor
Studiengang
Geoinformatik und Navigation
Jahr
2026
Fakultät
Fakultät für Geoinformation
Status
abgeschlossen
Themengruppe
Photogrammetrie_Fernerkundung

Diese Studie untersucht, inwieweit sich die Entwicklung von Siedlungsflächen im Schengenraum (1985–2015) mit einem bereits vorliegenden, großräumig harmonisierten Geodatensatz nachvollziehen lässt. Grundlage sind aus dem World Settlement Footprint (WSF) Evolution abgeleitete, geometrisch standardisierte Ellipsen, die Siedlungsobjekte als vergleichbare Geometrien über die Zeit abbilden. Damit wird erstmals eine konsistente, grenzüberschreitende Analyse von Wachstums- und Formmustern auf Basis dieses neuartigen, europaweit einheitlich abgeleiteten Ellipsen-Datensatzes möglich. Methodisch werden flächenbasierte Wachstumsmaße und Indexreihen für den Gesamtraum sowie für Größenklassen mit Distanzband-Analysen zur Nähe von Schienen und Fernverkehrsstraßen kombiniert. Ergänzend werden Form- und Orientierungskennzahlen der Ellipsen relativ zu Küstenlinien und Flüssen ausgewertet. Die Ergebnisdarstellung ist bewusst modellarm und überwiegend deskriptiv: Mittelwerte, Verteilungen und Anteilsmaße werden über Distanzklassen verglichen; Unsicherheit wird primär über Stichprobengrößen und die Streuung der Beobachtungen eingeordnet. Die Ergebnisse zeigen ein moderates, langfristig relativ stetiges Wachstum der aggregierten Ellipsenfläche. Kleine Siedlungsobjekte weisen im relativen Maß im Mittel höhere Zuwächse auf als große, wobei die Streuung auf Objektebene insbesondere bei kleinen Startgrößen stark ist. Infrastrukturnähe ist im Datensatz mit höheren relativen Wachstumsraten assoziiert: Für Schienen zeigt sich ein klareres Distanzmuster mit höheren Werten in Schienennähe und niedrigeren Werten in mittleren Distanzen, während Fernverkehrsstraßen ein heterogeneres, weniger gleichmäßiges Distanzprofil aufweisen. Zugleich deuten die Auswertungen zu Küsten und Flüssen darauf hin, dass topographische Leitelemente die Siedlungsform mitprägen: In Gewässernähe ist die Ausrichtung der Ellipsen häufiger parallel zum Verlauf, was mit zunehmender Entfernung in Richtung eines neutraleren Orientierungsbildes abklingt. Der Schwerpunkt der Bodenversiegelung innerhalb der Ellipsen bleibt demgegenüber insgesamt diffuser und zeigt keine über die Entfernung hinweg dominanten, stabilen Ausrichtungen. In Summe belegt die Arbeit, dass der Datensatz robuste Aussagen zu großräumigen Trends, Distanzunterschieden und Formtendenzen erlaubt und dabei den Einfluss zentraler räumlicher Rahmenbedingungen wie Infrastruktur und Gewässernähe sichtbar macht. Feinräumige beziehungsweise kurzfristige Veränderungen und kausale Deutungen sind hingegen nur eingeschränkt möglich. Abschließend werden Ansatzpunkte für Folgestudien skizziert, insbesondere historisierte Infrastrukturdaten, netzbasierte Zugänglichkeitsmaße und die gemeinsame Betrachtung überlagerter Lagekontexte.


Verwendete Daten:

WFS Evolution: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt e.V. (DLR)
Karten- und Kontextdaten: OpenStreetMap (OSM) © OpenStreetMap-Beitragende


Wichtigste Publikationen:

Schmitt, A. et al. (2023): Quantitative assessment and comparison of urban patterns in Germany and the United States. Computers, Environment and Urban Systems 100, 101920. doi:10.1016/j.compenvurbsys.2022.101920.

Schmitt, A., Haselmayr, T. & Taubenböck, H. Urban Patterns from Space: A Remote Sensing Based Comparison Between France and Germany. KN J. Cartogr. Geogr. Inf. 74, 233–249 (2024). https://doi.org/10.1007/s42489-024-00173-x

Schmitt, Kellhammer & Hauser (2025): Satellite-based mapping of the urban development along the franco-german border: is Europe growing together? DOI: 10.14627/gis.Science.2025.1.2

Abbildungen

5/5